Ein Drama mitten im Glockenbach

Die Deutsche Eiche ist nicht einfach nur ein Restaurant. Sie ist eine Institution. Seit Jahrzehnten das Herz der LGBTQ-Szene in München, legendärer Treffpunkt in der Reichenbachstraße, eine Adresse, die weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist – von Freddie Mercury bis zur Regenbogenfamilie von nebenan, hier war jeder willkommen. Und jetzt? Jetzt steht dieses Stück Münchner Gastro-Geschichte plötzlich auf der Kippe.

Was genau passiert ist, klingt wie das Drehbuch einer Familien-Saga: Roger (43), der Adoptivsohn von Wirt und Urgestein Sepp Sattler, hat das Restaurant überraschend verlassen. Weg. Von heute auf morgen. Und Sepp Sattler? Der war eigentlich schon im wohlverdienten Ruhestand – mit 72 Jahren. Jetzt steht er wieder hinterm Tresen, weil es niemand anderen gibt, der den Laden führt.

Eine Zukunft, die niemand wollte

Die Nachfolge war eigentlich geregelt. Roger sollte die Deutsche Eiche in die nächste Generation tragen, das Erbe seines Adoptivvaters weiterführen. Dass er nun geht, wirft alles über den Haufen. Ein neues Wirtepaar wird dringend gesucht, aber mal ehrlich: Wer füllt solche Fußstapfen einfach so? Die Deutsche Eiche ist kein x-beliebiges Lokal, das du mit einem neuen Konzept und hippen Kacheln neu erfindest. Sie lebt von ihrer Geschichte, ihrer Community, ihrer Seele.

Für die Münchner Gastro-Szene ist das ein bitterer Moment. 2026 war ohnehin schon kein einfaches Jahr: Mural zu, Ratskeller mit ungewisser Zukunft, Café Pini nach 18 Jahren geschlossen, Parkcafé Fürstenfeldbruck macht nach drei Jahrzehnten dicht. Dass jetzt auch noch die Deutsche Eiche wackelt, schmerzt – denn während andere Schließungen „nur" Gastro-Verluste sind, geht es hier um einen kulturellen Fixpunkt. Die Deutsche Eiche war immer mehr als Essen und Trinken. Sie war ein Safe Space, bevor es dieses Wort überhaupt gab.

Unser Foodie-Fazit

Wir drücken die Daumen, dass Sepp Sattler und sein Team die Kurve kriegen und sich ein würdiges Nachfolge-Duo findet. Die Deutsche Eiche darf nicht sterben – sie gehört zu München wie der Viktualienmarkt und der Englische Garten. Wer das Lokal unterstützen will: hingehen, essen, trinken, da sein. Jeder volle Tisch hilft, zu zeigen, dass dieses Kult-Lokal gebraucht wird. Und wenn du jemanden kennst, der jemanden kennt – das gesuchte Wirtepaar könnte genau jetzt diesen Artikel lesen.


Titelbild: Außenansicht der Deutschen Eiche in der Reichenbachstraße – eine Münchner Institution in der Krise | Erstveröffentlichung: 28. August 2026